Filmkritik

Von: SMart-Münster

„Habe ja doch nichts begangen, dass ich Menschen sollte scheu’n?“

Am Ende bleibt Ratlosigkeit.

Das, was das sein sollte, was Erika Kohut (brilliant: Isabelle Huppert), Musikprofessorin, seit langem suchte, hinterlässt sie und den Zuschauer unbefriedigt. Es bleibt der Scherbenhaufen ihrer und unserer Erwartungen. Die Frage nach dem „was weiter“ bleibt unbeantwortet, Regisseur Michael Haneke lässt uns buchstäblich mit einem Stich in der Brust zurück.

Zu Beginn:

Starres Leben. Kontrolliert durch die Mutter (Annie Girardot), als erwachsene Frau mit ihr immer noch in einer Wohnung, schlafen im selben Bett. Der Vater gestorben im Sanatorium. Als Demenzkranker. Die Suche nach Freiheit, einem Weg aus der Abhängigkeit. Den Körper spüren, die Klinge und die blutigen Spuren vor der Mutter geheim halten. Es ist ein bedrückendes Leben.

Was vermag sie noch zu rühren? Nur die Musik lässt sie zeitweilig aufatmen, fast unsichtbar. Ihre Schüler hingegen werden gnadenlos abgekanzelt. Das Pornokino bietet ihr nur dem Mülleimer entnommene voyeuristische Kompensation. Sehnsucht nach einer ganz anderen Form von Freiheit.

Eine Vorliebe für Schubert ... Schumann ...die „verkannten Genies“, glaubt man ihrer Mutter, auch ihr Schicksal.

Walter Klemmer (ebenso brilliant wie furchteinflößend: Benoît Magimel) tritt unvermittelt in ihr Leben. Und auch wenn sie stets versucht, ihn fern zu halten, ahnt sie bereits, dass hier eine Möglichkeit, nein, die Möglichkeit liegt? Wünscht sie es sich?

Der erste, der sich für sie interessiert, als Mensch, der erste, der sie vielleicht berühren könnte. Er versucht hartnäckig, sich an sie heranzuarbeiten, überwindet unerwartet und schlagartig die Distanz zu ihr und setzt sie in Körperlichkeit um.

Sie geht das Risiko ein: Sie öffnet sich. Angst die Kontrolle zu verlieren. Ein Brief soll Klarheit schaffen, deckt schonungslos auf. Zuviel hat sich über die Jahre angesammelt. Es stößt ihn ab, es kommt zum Bruch, zur gewaltsamen Verkehrung der so hemmungslos gebeichteten Fantasien.

Rückkehr scheinbar. Sie ist nicht möglich.

Am Ende bleibt Ratlosigkeit.