
Filmkritik
Von: SMart-Münster
Ring frei für die Auseinandersetzung, in Rauchschwaden gehüllt betritt WOMON, Göttin und einiges mehr Tanya Cheex („real-life lesbian icon“ Guinevere Turner) immer perfekt geschminkt die Bühne, während eher schlicht, weil auf Seiten von Moral und öffentlichem Wohlbefinden stehend: Mr. Harding (Tom Bell) unterstützt von seiner herben Sekretärin die andere Ecke einnimmt.
Initialzündung (gleichsam der gut hörbare Gongschlag) des Konfliktes sind die Bilder eines sensationsgeilen und bisweilen handgreiflichen Pressefotografen, der, getarnt als Transvestit (der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel) Mistress Tanyas Treiben an die Öffentlichkeit zerrt und dort für allgemeine Entrüstung über die „Weirdos“ sorgt.
Nur: ohne Beweise, dass hier wirklich gesetzeswidrige Handlungen stattfinden, keine Anklage und natürlich auch kein imagefördernder Prozess...
Puffer der beiden Welten ist Peter (Christien Anholt), vom sauren Moralisten und ehemaligem Schuldirektor Harding als Spitzel eingesetzt und mit einer festen Anstellung im Parlament geködert, bricht auf in eine ihm (und auch manchem von „uns“) gänzlich unbekannte Welt, in der sich Fetisch, Gothic und EBM treffen und unter der allumfassenden Knute der Mistress zusammenfinden.
Ein Outfit ist schnell gefunden und dank der modernen Technik werden alle ihm nun zuteil werdenden Erfahrungen auch detailgetreu dokumentiert...man darf also gespannt sein;-)
Als Ergebnis seines Körpereinsatzes findet sich Peter bald gepierct in Tanyas nächstem Umfeld und erlebt, mitunter direkter als ihm lieb ist, was er da denn im Sinne der Öffentlichkeit an handfesten Beweisen vor den Richter bringen soll ...
Und natürlich kommt alles, wie es kommen muss ...der scheue und etwas tapsige Peter verliebt sich, der durch ihn möglich gewordene Prozess kommt ins Rollen, alles hängt an ihm...welchen Effekt wird die Begegnung mit dieser „anderen Welt“ hinterlassen haben?
Schweigen wir über das (natürlich überraschende) Ende ;-)
Die Moral von der Geschicht'?
Natürlich ist der Film zum Teil eine Groteske, die, ausgehend von scheinbar entgegengesetzten Polen, einen roten Faden aufzeigt, in diesem Fall ist er allerdings rosa.
Kondensiert: Jeder steckt in seiner Verkleidung ... die offensichtlich Anderen als auch die traditionell „Verkleideten“ ... jeder aus seiner Überzeugung heraus ... Überzeugung der Gewohnheit oder der Lust, beziehungsweise der gewohnten/benötigten Geilheit ... Rechtfertigung ...
Doch weder das Leben in der institutionalisierten Alltagslosigkeit – dem Alltag des nicht Alltäglichen – noch die demonstrativ gelebte Alltäglichkeit vermögen zu befriedigen.
Unterstellt man nun aber den Wunsch, ein bisschen vom Sein des Anderen zu kosten, also das Bedürfnis nach dem Anderen, so begibt man sich wahrscheinlich ebenfalls auf dünnes Eis ... denn da die Lösungen und Umgehensweisen ebenso individuell sind, wie die Menschen selbst, wäre es doch eine unzulässige Verallgemeinerung. In Einzelfällen allerdings mag sie zutreffen – so auch hier.
Preaching to the perverted ... taube Ohren nur dann, wenn man sich nicht auf das Gegenüber zu bewegen will ... und sei es nur im Geiste.

|