
Filmkritik
Von: SMart-Münster
Lee fügt sich seit ihrer Schulzeit mit Messern, Rasierklingen und anderen Utensilien, welche sie fein säuberlich sortiert in ihrem Beauty-Case aufbewahrt, Schnittwunden zu. Irgendwann geht ein Schnitt ein wenig zu tief unter die Haut, worauf hin sie von ihren Eltern, die ihre Selbstverletzung als Suizidversuch deuten, in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Kaum ist Lee zurück in ihrem Elternhaus bei ihrer hysterischen Mutter und ihrem trinkenden Vater, verfällt sie zwar erneut ihrem Drang nach Selbstverletzung, nimmt sich aber vor, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Zunächst absolviert sie einen Schreibmaschinenkurs und im Anschluss daran macht sie sich auf Jobsuche. Der etwas seltsam scheinende Anwalt Edward engagiert Lee in seiner Kanzlei als Sekretärin und das Abenteuer beginnt.
Edward ist ein überaus strenger und launischer Chef. Sobald er in einem der von Lee getippten Briefe einen Rechtschreibfehler entdeckt, markiert er ihn rot und zitiert Lee in sein Büro. Dort wird sie zunächst verbal attackiert. Im Laufe der Zeit geht Edward jedoch dazu über, Lee zur Strafe den Hintern zu versohlen. Diese ist anfangs entsetzt, findet aber alsbald Gefallen daran. So beginnt eine leidenschaftliche, von Sadomasochismus geprägte Affäre zwischen Lee und Edward, welche sich allerdings auf die Arbeitszeit im Büro beschränkt. Ihre Arbeiten verrichtet Lee von nun an ab und zu mit einer auf ihren Schultern liegenden und ihre Hände fesselnden Spreizstange. Oder sie verwandelt sich für Edward in ein wieherndes und Mohrrüben kauendes Pony. Für Tippfehler, die sie mittlerweile absichtlich in ihre Briefe einbaut, bekommt sie eine Tracht Prügel auf den Po und im Anschluss leidenschaftlichen Sex auf Edwards Schreibtisch. Ihr Beauty-Case samt Messern wirft Lee von einer Brücke. Sie hat aufgehört, sich selbst Verletzungen zuzufügen, denn ihrer Lust nach Schmerz tut nun Edward genüge.
Edward nimmt Lee mittlerweile nicht mehr ernst. Es stört ihn, dass Lee förmlich nach seinen Bestrafungen lechzt, immer öfter absichtlich Tippfehler macht und sich ihm regelrecht anbiedert. Dazu kommt, dass er es nicht mit sich selbst vereinbaren kann, öffentlich zu seiner SM-Neigung zu stehen. Eines Tages feuert er sie aus heiterem Himmel. Für Lee bricht eine Welt zusammen. Sie flüchtet sich in eine Beziehung zu dem langweiligen Peter, kann aber seine Anwesenheit und vor allem den „normalen“ Sex mit ihm nicht ertragen. Dennoch schmieden die beiden Hochzeitspläne. Vor dem Altar ergreift Lee die letzte Gelegenheit zur Flucht und taucht im Brautkleid in Edwards Büro auf. Dieser weist sie schroff zurück, befiehlt ihr, in einer bestimmten Haltung an seinem Schreibtisch sitzen zu bleiben und verlässt das Büro. Lee wartet und wartet und wartet …
Die romantische Komödie von Steven Shainberg setzt sich auf eine äußerst entspannte Weise mit der Thematik des Sadomasochismus auseinander. Sadomasochistische Praktiken werden ganz selbstverständlich und teilweise mit einem Augenzwinkern dargestellt. Dennoch ist Secretary mit Vorsicht zu genießen. Beim Zuschauer könnte der Eindruck entstehen, dass der sexuelle Masochismus mit dem Drang, sich selbst zu verletzen oder verletzt zu werden oder mit sonstigen psychischen Krankheiten im Zusammenhang stehen könnte. Dass dies nicht der Fall ist, zeigen mittlerweile zahlreiche Studien, die sich mit der entsprechenden Thematik wissenschaftlich auseinander gesetzt haben. Daher ist in der sadomasochistischen Szene recht umstritten, inwiefern der Film sich auf die Akzeptanz oder Ablehnung von Sadomasochismus in der nicht-sadomasochistischen Öffentlichkeit auswirkt.

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