Gelungene Mogelpackung: Gedanken zum Doku-Film "Wir leben: SM!"

Von: SMart-Münster

Ein Aufklärungsfilm über SM ist das nicht. Die Überschrift "SM-Doku" hatte bei mir die falsche Erwartung geweckt. Eine Straßenbefragung über SM zu Beginn des Films bleibt zwar noch im Allgemeinen. Die übrige Zeit jedoch konzentriert sich der Regisseur Gerhard Stahl auf drei spezielle Menschen und ihre Freunde: das Paar Lady Isis und Woschofius und ihre Gespielin Zoé. Sie leben SM, und das so intensiv wie Wenige, verdienen sogar ihren Lebensunterhalt mit Aktivitäten um SM. Lady Isis hat ein Domiastudio, Woschofius verfolgt diverse Foto-, Musik- und Buchprojekte. Beide gemeinsam veranstalten SM-Parties und zeigen Performances.

Statt über "die SM-Szene" zu berichten, leistet der Film etwas anderes: Er zeigt drei Leute, die gemeinsam einen interessanten und ungewöhnlichen Lebensentwurf umsetzen. Dabei bekommt der Zuschauer Einblick in deren SM-Lebensstil. Nur ein winziger Ausschnitt der Szene wird sichtbar, der dafür umso persönlicher. Den Protagonisten wird genügend Raum gegeben, dem Schablonenhaften das Eigene entgegenzusetzen. In vollem Outfit erklärt die Domina Lady Isis ihre Verschlauchungsgerätschaften. Die gleiche Frau sitzt gemütlich am Küchentisch und erzählt, dass sie es früher als Aktive der Friedensbewegung problematisch fand, am Quälen Lust zu haben. Wie Woschofius während eines Gesprächs für eine Party Gemüse schneidet, wird im Bild genauso spannend und sinnlich umgesetzt, wie die Ausschnitte aus einer Session, die immer wieder zwischengeschnitten sind.

Die Sessionausschnitte sind atmosphärisch sehr dicht und können sicher auch Unbehagen hervorrufen. Diese Spannung wird erst zum Ende des Films aufgelöst. Die drei Protagonisten schauen sich das Sessionvideo zusammen an und sprechen darüber. Der Zuschauer (auch der Unbedarfte) bekommt ein Gefühl für die Einstellung der drei, dafür, dass sie sich sehr gut kennen und lieben, und dafür, was SM für sie bedeutet. Mit dieser positiven Botschaft geht er, ganz im Sinn des Regisseurs, nach Hause.